Ist eine niedrigere Promillegrenze für Radfahrer angedacht?

News veröffentlicht am 28. März 2019

Wer alkoholisiert am Kfz-Steuer sitzt, ist schnell seinen Führerschein los. Fahrradfahrer unterliegen weniger strengen Regeln und können noch in sehr betrunkenem Zustand hinter dem Lenker Platz nehmen. Einer aktuellen Studie zufolge ist dies jedoch möglicherweise nicht weiterhin vertretbar: Mediziner werteten mehr als 2700 Fahrradunfälle aus und fordern nun eine niedrigere Promillegrenze für Radfahrer.

Dreimal häufiger Gesichtsverletzungen bei Unfällen mit alkoholisiertem Radler

Kommt eine niedrigere Promillegrenze für Radfahrer? Ärzte halten es für notwendig.

Kommt eine niedrigere Promillegrenze für Radfahrer? Ärzte halten es für notwendig.

2773 Verkehrsunfälle mit Radfahrern in 23 Krankenhäusern wurden in der benannten Studie untersucht und ausgewertet.

Das Ergebnis: Hatte ein Fahrradfahrer im alkoholisierten Zustand einen Unfall, trug er dabei im Vergleich zum nüchternen Radler mit dreifacher Wahrscheinlichkeit eine Gesichtsverletzung davon. Tatsächlich gilt Alkohol auf dem Fahrrad sogar als zweithäufigste Unfallursache.

Dies sind die Gründe, aus denen Mediziner nun eine niedrigere Promillegrenze für Radfahrer fordern. Momentan liegt sie bei 1,6 Promille, wobei von absoluter Fahruntüchtigkeit ausgegangen wird. Nach dem Ergebnis der Studie wird eine Herabsetzung der Grenze auf 1,1 Promille verlangt.

Was bedeutet relative und absolute Fahruntüchtigkeit?

Die geforderte niedrigere Promillegrenze für Radfahrer soll schwere Unfälle verhindern.

Die geforderte niedrigere Promillegrenze für Radfahrer soll schwere Unfälle verhindern.

Neben den erwähnten 1,6 Promille gibt es jedoch auch noch eine niedrigere Promillegrenze, die für Radfahrer bereits jetzt schon aktuell ist: die Grenze für die relative Fahruntüchtigkeit. Aber was genau ist damit gemeint?

  • Relative Fahruntüchtigkeit ab 0,3 Promille: Dieser verhältnismäßig niedrige Grenzwert kommt erst zum Tragen, wenn auch sogenannte Ausfallerscheinungen auftreten, die darauf hindeuten, dass der Fahrer den Straßenverkehr nicht mehr optimal bewältigen und somit zur Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer werden kann. Beispiele sind das Fahren in Schlangenlinien oder verlangsamte Reaktionen. Auch hier kann es schon zu einer Strafanzeige kommen.
  • Absolute Fahruntüchtigkeit ab 1,6 Promille: Wird dieser Wert nachgewiesen, wird von der unwiderlegbaren Fahruntüchtigkeit des Radfahrers ausgegangen. Es ist demnach unerheblich, ob Sie Ihr Fahrrad noch gerade halten und angemessen auf den Verkehr reagieren können, Sie haben sich auf jeden Fall strafbar gemacht. Folgen können eine Geldstrafe und drei Punkte in Flensburg sein. Auch müssen Sie häufig eine medizinisch-psychologische Untersuchung (kurz: MPU, auch bekannt als Idiotentest) absolvieren. Bei Nichtbestehen oder bei entsprechenden Vorstrafen wegen Alkohol im Straßenverkehr kann es sogar zum Entzug der Fahrerlaubnis kommen.
Die geforderte niedrigere Promillegrenze für Radfahrer – wenn die Grenze für die absolute Fahruntüchtigkeit auf 1,1 Promille wie bei Autofahrern heruntergesetzt würde – wäre im Vergleich zu anderen Nachbarländern übrigens gar nichts Besonderes. In Tschechien beispielsweise darf der Radfahrer nicht einmal die Null-Promillegrenze überschreiten.

Bußgeldtabelle für die Übertretung der Promillegrenze für Radfahrer

VerstoßKonsequenzen
Mit mehr als 0,3 Promille auffällig gefahren oder Unfall verursachtAnzeige
Mit mehr als 1,6 Promille gefahren- Geldstrafe
- 3 Punkte in Flensburg
- Anordnung einer MPU
Unter dem Einfluss von Drogen gefahren- Anzeige
- Anordnung einer MPU

Bußgeldrechner für Fahrradfahrer

Bildnachweise: fotolia.com/WineDonuts, fotolia.com/milkovasa

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