Lkw-Verkehr der Zukunft: Projekte testen neue Technik

News veröffentlicht am 13. Mai 2019

Die Zahl der Kraftfahrzeuge auf deutschen Straßen nimmt jährlich zu. Auch der Lkw-Verkehr ist davon nicht ausgenommen. Als Folge kommt es nicht nur immer wieder zu verstopften Autobahnen oder Unfällen, sondern auch zu einer erhöhten Umweltbelastung. Doch modernste Technik könnte die Brummis bald sicherer, effizienter und emissionsärmer machen. Dies wird derzeit in zwei ehrgeizigen Projekten in Deutschland getestet. Könnte so der Lkw-Verkehr der Zukunft aussehen?

Digital vernetzte Lkw-Kolonnen: Erster Praxistest fällt überwiegend positiv aus

Fährt der Lkw-Verkehr in Zukunft autonom? Noch befindet sich das Platooning in der Testphase.

Fährt der Lkw-Verkehr in Zukunft autonom? Noch befindet sich das Platooning in der Testphase.

Am vergangenen Freitag wurden im Bundesverkehrsministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die Ergebnisse des ersten Praxistests im sogenannten Platooning-Projekt vorgestellt. Sieben Monate lang waren Lkw-Kolonnen bestehend aus zwei Fahrzeugen zweimal täglich auf der A9 zwischen Nürnberg und München hin und her gefahren. Das Besondere dabei: Nur der vordere der beiden wurde von einem Fahrer gelenkt.

Denn geht es nach den Initiatoren des Platooning-Projekts, fährt der Lkw-Verkehr der Zukunft autonom. Über eine digitale Deichsel, welche sich aus verschiedenen technischen Systemen zusammensetzt, sind die Fahrzeuge in der Kolonne verbunden. Der vorderste Lkw steuert über Funk alle, die hinter ihm fahren. Für den Fall eines technischen Versagens sitzt allerdings immer noch ein Mensch am Lenkrad. Die Berufskraftfahrer erhalten dafür eine spezielle Schulung zum Platoon-Fahrer.

Welche Vorteile bringt diese Technik mit sich?

  • Die Lkw können in der Kolonne dichter auffahren und nehmen damit weniger Platz ein. Aktuell müssen die Brummis auf der Autobahn einen Sicherheitsabstand von 50 Metern einhalten. Beim Platooning kann dieser jedoch auf 20 oder sogar 15 Meter verringert werden.
  • Möglich ist das durch die Computertechnik, die bei einer Bremsung des vordersten Fahrzeugs erheblich schneller reagieren kann als ein Mensch. Tritt der Fahrer des vordersten Lkw auf die Bremse, dauert es nur Sekundenbruchteile, bis auch die nachfolgenden Fahrzeuge abbremsen.
  • Die verkürzte Reaktionszeit kann so möglicherweise die Anzahl von Auffahrunfällen verringern. Zudem ist durch den reduzierten Abstand ein Fahren im Windschatten der vorausfahrenden Lkw möglich. Dies verringert den Luftwiderstand der Fahrzeuge und damit deren Treibstoffverbrauch, wodurch letztendlich auch die Emissionen reduziert werden.

Das System arbeitete während des siebenmonatigen Tests zu 98 Prozent fehlerlos. Nur etwa einmal pro 2000 Kilometer mussten Fahrer im hinteren Fahrzeug aktiv eingreifen. Diese fühlten sich zu ihrer eigenen Überraschung bald äußerst sicher in dem selbstfahrenden Lkw.

Die angestrebte Treibstoffeinsparung von 10 Prozent wurde beim ersten Praxistest allerdings noch nicht erreicht. Stattdessen betrug diese nur 3 bis 4 Prozent. Doch die Projektleiter sind zuversichtlich, dass eine Steigerung möglich und das Platooning-System richtungsweisend für den Lkw-Verkehr der Zukunft ist.

Weitere Informationen zum Platooning erhalten Sie im folgenden Video:

Oberleitungen auf der Autobahn: Hybrid-Lkw rollen über die A5

Wie wird der Lkw-Verkehr der Zukunft aussehen?

Wie wird der Lkw-Verkehr der Zukunft aussehen?

Ein anderes Projekt wurde am 7. Mai auf der A5 in Hessen gestartet. Hier wurde die erste deutsche Teststrecke für Lkw-Oberleitungen eröffnet. Die zu testenden Hybrid-Lkw verfügen über Batterien, die sie während der Fahrt über die Oberleitungen aufladen können. Etwa ein Jahr lang sollen die fünf Testfahrzeuge mehrmals täglich den „E-Highway“ zwischen Frankfurt und Darmstadt entlangrollen.

Das System war bereits mehrere Jahre lang auf nicht öffentlichen Strecken getestet worden. Nun soll es im realen Verkehr beweisen, dass es eine durchführbare Lösungsmöglichkeit auf dem Weg zum klimaneutralen Lkw-Verkehr der Zukunft darstellt.

Und so funktioniert die Technik: Fährt der Lkw auf einer Straße mit Oberleitung, wird dies von Sensoren auf dem Dach erkannt. Daraufhin fahren die Abnehmer aus und leiten den Strom aus der Oberleitung zum Elektromotor und zur Batterie des Lkw. Verlässt er die Spur mit der Oberleitung, wird automatisch der Dieselmotor oder die Batterie eingeschaltet.
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