§ 50 StVO – Helgoland: Entschleunigte Insel ohne Rad- und Autofahrer

Für Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland gilt eine Ausnahme in der Straßenverkehrsordnung. Demnach ist es auf der Insel verboten, Auto oder Rad zu fahren. Dafür gibt es gute Gründe.

FAQ: Die Sonderregelung für Helgoland § 50 StVO

Was beinhaltet der Paragraph 50 StVO?

Der Paragraph 50 StVO beinhaltet folgenden Satz als Sonderregelung für die Insel Helgoland: „Auf der Insel Helgoland sind der Verkehr mit Kraftfahrzeugen und das Radfahren verboten.“

Welche Fahrzeuge dürfen auf der Insel Helgoland fahren?

Mit einer Sondergenehmigung dürfen elektrisch betriebene Fahrzeuge und Fahrräder fahren. Diese gilt nur für bestimmte Personengruppen und Dienstleister wie Polizei, Ärzte und Handwerker. Auch Kinder im Alter von bis zu 14 Jahren dürfen von Oktober bis April Fahrrad fahren. Mehr zu den Sondergenehmigungen steht an dieser Stelle.

Wieso ist Fahrradfahren auf Helgoland verboten?

Der Grund für das Verbot ist der Platzmangel. Die Hauptinsel ist etwas über einen Quadratkilometer groß. In der Hauptsaison kommen Hunderttausende Besucher auf die Insel. Außerdem wird der Platz durch Naturschutzgebiete zusätzlich eingeschränkt. Hier lesen Sie mehr zum Grund des Verbots.

Kann man mit dem Auto nach Helgoland fahren?

Nein, Helgoland ist eine Insel und über eine Fähre erreichbar. Das Auto lassen Sie am besten auf einem Parkplatz am Festland in der Nähe des Fähranlegers stehen.

Auf Helgoland sind Rad- und Autofahren verboten

Die StVO sieht für Helgoland eine Sonderregelung vor: Auto- und Fahrradfahren ist verboten.
Die StVO sieht für Helgoland eine Sonderregelung vor: Auto- und Fahrradfahren ist verboten.

Der eigens Helgoland gewidmete § 50 StVO ist denkbar kurz:

StVO § 50: Sonderregelung für die Insel Helgoland

Auf der Insel Helgoland sind der Verkehr mit Kraftfahrzeugen und das Radfahren verboten.

In der StVO existiert der § 50 seit 1970. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Lange Zeit konnten Helgoländer Kinder nicht lernen, Fahrrad zu fahren. Das änderte sich 2018. Nun dürfen Kinder bis 14 Jahren in den Monaten von Oktober bis April ihr Rad benutzen. Das dient der Verkehrserziehung, denn sie sollen gegenüber den Kindern vom Festland nicht benachteiligt werden. Die Gemeinde hat deshalb auch einen Verkehrsübungsplatz eingerichtet.

Doch auf dem Rest der Insel sucht man Verkehrsschilder vergebens. Wer auf Helgoland ist, geht zu Fuß oder nimmt einen Tretroller. Dieses beliebte Fortbewegungsmittel gilt offiziell als Sportgerät und gehört auf Helgoland zum Alltagsbild. Er ist vom Verbot laut StVO, Paragraph 50 ausgenommen.

§ 50 StVO: Eine Sonderregel für eine Ausnahme-Insel

Da laut § 50 StVO auf Helgoland das Rad- und Autofahren untersagt ist, erfreuen sich Tretroller großer Beliebtheit.
Da laut § 50 StVO auf Helgoland das Rad- und Autofahren untersagt ist, erfreuen sich Tretroller großer Beliebtheit.

Insgesamt gibt es auf Helgoland ca. 120 Sondergenehmigungen für Fahrräder und elektrisch betriebene Fahrzeuge. Diese gelten für die Feuerwehr, den Katastrophenschutz, Ärzte, die Müllabfuhr, die Post, Handwerker und natürlich auch die Polizei. Polizisten „gehen“ auf Helgoland eher Streife, manchmal nehmen sie das Fahrrad. Für den seltenen Fall einer Festnahme kommt ein Elektroauto zum Einsatz. Außerdem existiert auf der Insel ein Taxiunternehmen mit einer sehr begrenzten Anzahl an Fahrzeugen, um die Touristenmassen zu transportieren. In der Hauptsaison teilen sich die rund 1500 Bewohner Helgolands ihre Insel täglich mit ca. 1000 Touristen. Davon sind viele Senioren und nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs.

Verstöße gegen § 50 StVO werden in der Regel von Touristen begangen, die mit einem eigenen Boot anlegen und sich aus Unwissenheit auf eine kleine Tour mit dem mitgebrachten Fahrrad freuen. Eine Statistik darüber wird nicht geführt.

Dank der StVO ist Helgoland ruhig – trotz vieler Touristen

Warum darf man auf Helgoland nicht Fahrradfahren? Das Verbot hat seinen guten Grund. Die Hauptinsel Helgoland ist gerade einmal einen Quadratkilometer groß. Ein Teil davon ist der Natur vorbehalten. Zwei Naturschutzgebiete gibt es, die bedeutende Brutplätze für verschiedene Vogelarten sind. Nicht nur zum Brüten, auch zum Rasten ist die Insel für viele Zugvögel auf ihrem Weg über die Nordsee von zentraler Bedeutung. Zieht man die Naturschutzgebiete ab, bleibt für die Bewohner und Touristen nicht mehr allzu viel Platz, geschweige denn für den Straßenverkehr. Doch das Verbot hat sein Gutes. Wer auf die Insel kommt, kann in den entschleunigten Inselalltag eintauchen, fernab von der Hektik des Festlandes.

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Über den Autor

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Cynthia W.

Cynthia ist seit 2016 Online-Redakteurin bei bussgeldkataloge.de. Mit einem umfangreichen Hintergrundwissen zu Rechtsthemen und der Fähigkeit, komplexe rechtliche Konzepte verständlich zu erklären, unterstützt sie unser Redaktionsteam bei der Erstellung von informativen und spannenden Artikeln rund ums Verkehrsrecht.

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