Schmerzensgeld: Ausgleich für immaterielle Schäden

Beziehen sich die Schäden nach einem Unfall im Straßenverkehr nicht nur auf die involvierten Fahrzeuge, sondern auch die jeweiligen Fahrer haben Verletzungen davongetragen, steht meist relativ schnell die Frage nach Schmerzensgeld im Raum. Das Gleiche gilt beispielsweise, wenn einem Arzt bei seiner Behandlung ein Fehler unterlaufen ist. Wissenswertes rund um die Zahlung vom Schmerzensgeld in Deutschland erfahren Sie im Ratgeber.

Was ist Schmerzensgeld?

Wann besteht gemäß § 253 Absatz II BGB ein Anspruch auf Schmerzensgeld?

Wann besteht gemäß § 253 Absatz II BGB ein Anspruch auf Schmerzensgeld?


Beim Schmerzensgeld handelt es sich grundsätzlich um eine Entschädigung in Geld, die einen finanziellen Ausgleich für immaterielle Schäden schaffen soll. Wurde der Körper oder die Gesundheit einer Person verletzt, ohne dass sie daran eine Schuld trifft, soll ihr diese besondere Form von Schadensersatz eine Art Genugtuung verschaffen.

Dem Schmerzensgeld werden im Allgemeinen zwei wichtige Funktionen zugeschrieben:

  1. Ausgleich, um entstandene Schäden zu kompensieren und dem Geschädigten zu Annehmlichkeiten und Erleichterungen zu verhelfen
  2. Genugtuung, um der geschädigten Person in gewisser Weise Vergeltung zu verschaffen und für eine Wiedergutmachung zu sorgen

Anspruch auf die Zahlung von Schmerzensgeld: Wann besteht er?

Die Zahlung von Schmerzensgeld steht oft mit Straftaten im Zusammenhang.

Die Zahlung von Schmerzensgeld steht oft mit Straftaten im Zusammenhang.

Da strafrechtliche Handlungen nicht selten mit der Zahlung von Schmerzensgeld einhergehen (wie z. B. bei einer Körperverletzung), wird häufig angenommen, diese Form des Schadensersatzes wäre im Strafrecht verankert. Dem ist jedoch nicht so. Lediglich die jeweilige Straftat wird nach dem Strafgesetzbuch (StGB) sanktioniert.

Das Schmerzensgeld an sich ist im Zivilrecht verankert, wobei unter anderem das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) die rechtliche Grundlage darstellt. Die Vorschriften zu immateriellen Schäden befinden sich in § 253 BGB. Dort heißt es:

  1. Wegen eines Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, kann Entschädigung in Geld nur in den durch das Gesetz bestimmten Fällen gefordert werden.
  2. Ist wegen einer Verletzung des Körpers, der Gesundheit, der Freiheit oder der sexuellen Selbstbestimmung Schadensersatz zu leisten, kann auch wegen des Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, eine billige Entschädigung in Geld gefordert werden.“

Einen Anspruch auf Schmerzensgeld haben laut BGB entsprechend Personen, die körperliche Schäden erlitten haben, welche wiederum auf das Fremdeinwirken einer dritten Person zurückzuführen sind. Tragen Geschädigte also keine oder nur eine anteilige Schuld an den entstandenen Verletzungen, können sie Schmerzensgeld geltend machen.

Übrigens: Bis zum Jahr 2002 regelte § 847 BGB das Schmerzensgeld bzw. das Recht darauf. Das „Zweite Gesetz zur Änderung schadensersatzrechtlicher Vorschriften“ sorgte jedoch dafür, dass dieser Paragraph aufgehoben wurde.

Wie setzt sich die Höhe vom Schmerzensgeld zusammen?

Im Gegensatz zu Vermögensschäden, bei denen die entsprechende Entschädigungssumme leicht anhand objektiver Merkmale festgesetzt werden kann, ist dies beim Schmerzensgeld gar nicht so einfach. Schließlich ist es um einiges unkomplizierter, die Höhe bestimmter Schäden an Kfz, Kleidung oder Fahrrad zu beziffern.

Woran bemisst sich, wie viel Schmerzensgeld gezahlt wird?

Woran bemisst sich, wie viel Schmerzensgeld gezahlt wird?

Beim Schmerzensgeld geht es jedoch vordergründig um die subjektive Wahrnehmung. Daher ist es durchaus keine einfache Aufgabe, zu entscheiden, wie viel Geld einer Person aufgrund ihrer erlittener Schmerzen zusteht. Es existieren gewisse Faktoren, die das Schmerzensgeld in seiner Höhe beeinflussen.

Diese bestehen aus einer Kombination von Genugtuungs- und Ausgleichsfunktion und schließen beispielsweise folgende Aspekte mit ein:

  • Intensität und Ausmaß der Verletzung
  • Dauer der ärztlichen Behandlung
  • Vermögensverhältnisse von Schädiger und Opfer
  • mögliche Regulierungsverzögerung
  • Folge- oder Dauerschäden
Aber wie kann anhand dieser Punkte letztendlich entschieden werden, wie viel Schmerzensgeld einer geschädigten Person zusteht? Existiert möglicherweise so etwas wie ein Schmerzensgeldkatalog, aus dem die zu zahlende Summe einfach anhand der jeweiligen Verletzung abgelesen werden kann? Da die Umstände je nach Einzelfall variieren können, besteht diese Möglichkeit leider nicht. Stattdessen bedarf es stets einer individuellen Entscheidung.

Welche Rolle spielt eine Schmerzensgeldtabelle?

Bei dieser Entscheidung kommen häufig sogenannte Schmerzensgeldtabellen zum Einsatz. Sie enthalten diverse Urteile zum Schmerzensgeld, die von verschiedenen Gerichten in der Vergangenheit getroffen wurden. Die wohl bekanntesten Tabellen, die sich mit Schadenersatz und Schmerzensgeld befassen, sind die folgenden:

  • Hacks-Ring-Böhm-Schmerzensgeldtabelle vom ADAC
  • Beck‘sche Schmerzensgeldtabelle vom Rechtsanwalt Andreas Slizyk
  • Celler Schmerzensgeldtabelle vom Oberlandesgericht Celle

Die Celler Schmerzensgeldtabelle ist kostenlos online aufrufbar. Das Gleiche gilt teilweise auch für die Beck’sche Schmerzensgeldtabelle: Sie ist online einsehbar, allerdings nur zu gewissen Teilen gebührenfrei. Die Schmerzensgeldtabelle von Hacks Ring Böhm gibt es nur als Buch; dementsprechend müssen Sie dafür bezahlen.

Ist es möglich, den Schadenersatz bzw. das Schmerzensgeld anhand einer Tabelle zu berechnen?

Ist es möglich, den Schadenersatz bzw. das Schmerzensgeld anhand einer Tabelle zu berechnen?

Im Großen und Ganzen enthalten alle drei genannten Tabellen für Schmerzensgeld und Schadensersatz die gleichen gerichtlichen Urteile. In der Regel muss lediglich zwischen öffentlichen Gerichtsurteilen und Vergleichen unterschieden werden. Das Wichtigste ist und bleibt jedoch: Die Höhe vom Schmerzensgeld kann nicht pauschal festgesetzt werden.

Werfen Sie beispielsweise einen Blick in Hacks Tabelle und suchen sich ein Urteil zum Schmerzensgeld heraus, das Ihrem Fall ähnelt, bedeutet dies noch lange nicht, dass Sie auch genau die dort genannte Summe erhalten. Um sich ein Bild einer solchen Tabelle für Schmerzensgeld zu machen, stellen wir Ihnen hier einen Auszug zur Verfügung:

Erlittene VerletzungSchmerzensgeldGericht/Jahr
(Aktenzeichen)
Starker Haarverlust durch Blondierung 18.000 €OLG Koblenz/2013
(Az. 12 U 71/13)
Totalerblindungca. 230.000 €OLG Berlin/2004
(Az. 20 U 19/03)
Schwere Gehirnerschütterung, Verletzung des Nervs, dadurch bedingte dauernde Kopfschmerzen, HWS-Syndrom, multiple Prellungenca. 5.620 € OLG Hamm/1984
(Az. 13 U 297/83)
Schleudertrauma zweiten Gradesca. 500 €LG Hamburg/1992
(Az. 306 O 250/90)
Kompletter Zahnverlust des Ober - und Unterkiefers ca. 7.700 €OLG München/1990
(Az. 1 U 2076/90)

Wie kann ein Rechtsanwalt für Ihr Schmerzensgeld kämpfen?

Geschädigte Personen können sich entweder außergerichtlich mit der Versicherung des Schädigers auf die Höhe des Schmerzensgeldes einigen oder diese im Zuge einer Verhandlung vor Gericht von einem Richter festsetzen lassen. Bei beiden Varianten sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie einen Anwalt mit ins Boot holen.

Unter anderem kann er Sie professionell zur jeweiligen Vorgehensweise beraten und Ihnen seine Unterstützung zusichern, wenn die Versicherung des Schädigers ohne ersichtlichen Grund versuchen sollte, das Schmerzensgeld zu verringern.

Diese Möglichkeiten sollten Sie sich nicht entgehen lassen – vor allem, weil die Kosten für einen Anwalt bei einem unverschuldeten Unfall in der Regel der Versicherung des Schädigers auferlegt werden. Übrigens: Schmerzensgeld ist nicht steuerpflichtig.

Existiert eine Verjährung beim Schmerzensgeld?

Schmerzensgeld ist steuerfrei.

Schmerzensgeld ist steuerfrei.

Nach einer Körperverletzung oder einem unverschuldeten Autounfall steht Ihnen nicht unbegrenzt Zeit zur Verfügung, um Ihre Schadensersatzansprüche durchzusetzen. Früher oder später kommt es nämlich beim Schmerzensgeld zur Verjährung. Wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, setzt das BGB fest.

Maßgeblich ist in diesem Fall die in § 195 BGB definierte sogenannte regelmäßige Verjährungsfrist. Sie beträgt drei Jahre und greift immer dann, wenn keine anderweitigen Ausnahmeregelungen Anwendung finden.

§ 214 BGB zufolge können Sie nach Ablauf dieser Frist kein Schmerzensgeld mehr einfordern. Der Startschuss für die Frist fällt übrigens nicht am Tag des schädigenden Ereignisses, sondern erst am Ende des Jahres, in dem es dazu kam. Laut § 199 BGB müssen Sie als geschädigte Person in diesem Jahr von der Identität des Schädigers erfahren haben. Weiterhin setzt das BGB eine Höchstgrenze von 30 Jahren in Bezug auf die Verjährung von Schmerzensgeldansprüchen fest.

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