Ganzjahresreifen: Wie sinnvoll und sicher sind solche Reifen?

Von bussgeldkataloge.de, letzte Aktualisierung am: 11. Mai 2022

Damit die Reifen optimal an die saisonalen Witterungsbedingungen angepasst sind, steht üblicherweise zweimal im Jahr der Reifenwechsel an. Wem dies zu aufwändig ist, kann sich stattdessen für die sogenannten Ganzjahresreifen entscheiden. Allerdings sind diese nicht unbedingt für jeden geeignet, weshalb es bei den Ganzjahresreifen Vor- und Nachteile abzuwägen gilt.

FAQ: Ganzjahresreifen

Wie sinnvoll sind Ganzjahresreifen?

Ob die Verwendung von Ganzjahresreifen sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wo und wie viel Sie Ihr Kfz nutzen. So sind spezielle Reifen für Winter und Sommer häufig nicht notwendig, wenn das Fahrzeug nur für kurze Strecken innerhalb der Stadt zum Einsatz kommt.

Wie lange sind Ganzjahresreifen noch erlaubt?

Grundsätzlich ist in Deutschland der Einsatz von Ganzjahresreifen gestattet. Ein Verbot besteht ab dem 30. September 2024 lediglich für Reifen, die nicht der Winterreifenverordnung entsprechen und kein Alpine-Symbol aufweisen. Allerdings sieht der Gesetzgeber eine Übergangsregelung für Ganzjahresreifen ohne Kennzeichnung vor. Mehr dazu hier.

Drohen mir bei einem Unfall mit Ganzjahresreifen durch die Versicherung Nachteile?

Nein, entsprechen die Ganzjahresreifen den gesetzlichen Vorschriften, wirken sich diese bei einem Unfall nicht negativ auf die Schuldfrage und die daraus resultierende Schadensregulierung aus.

Sind Ganzjahresreifen ein fauler Kompromiss?

Ganzjahresreifen: Pro- und Contra-Argumente sollten Fahrzeughalter individuell abwiegen.
Ganzjahresreifen: Pro- und Contra-Argumente sollten Fahrzeughalter individuell abwiegen.

Bei der Sicherheit im Straßenverkehr spielen die Reifen eine große Rolle, bilden sie doch die Verbindung zwischen Fahrzeug und Fahrbahn. Um bei den unterschiedlichsten Wetterbedingungen für optimalen Grip und einen möglichst kurzen Bremsweg zu sorgen, bieten die Hersteller daher spezielle Reifen für Sommer und Winter an. Diese unterscheiden sich dabei sowohl in der Materialzusammensetzung als auch bei den Profilrillen.

Die Verwendung unterschiedlicher Reifensätze führt allerdings auch dazu, dass zweimal im Jahr ein Reifenwechsel erfolgen muss. Eine mitunter lästige Aufgabe, weshalb sich Ganzjahresreifen in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreuen. Bei dieser Art von Reifen handelt es sich um einen Kompromiss, der sowohl Merkmale von Sommer- als auch Winterreifen kombiniert. Eine optimale Lösung für alle Wetterbedingungen ermöglichen diese dadurch allerdings nicht.  

Wie lassen sich Ganzjahresreifen erkennen?

Eine spezielle Kennzeichnung für Ganzjahresreifen gibt es nicht. Daher lassen sich die Reifen meist nur anhand des Profils erkennen. Denn diese zeichnen sich in der Regel durch eine mittlere Profillinie und Lamellen aus.

Vorteile der Ganzjahresreifen: Kosten und Zeit einsparen!

Durch Ganzjahresreifen entfallen die Kosten für den Reifenwechsel.
Durch Ganzjahresreifen entfallen die Kosten für den Reifenwechsel.

Der größte Vorteil der Ganzjahresreifen ist der Wegfall des Reifenwechsels. Dieser ist für Autobesitzer, die selbst zu Wagenheber und Radkreuz greifen, zumindest zweimal im Jahr mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden. Wer sein Kfz hingegen in die Werkstatt gibt, muss sich zeitig um einen passenden Termin bemühen und mindestens mit Kosten zwischen 20 und 40 Euro (ohne Auswuchten) rechnen. Verfügt das Fahrzeug über ein Reifendruckkontrollsystem fallen die Kosten für den Reifenwechsel noch höher aus. In diesem Fall sind in der Regel Ausgaben von 140 bis 250 Euro einzuplanen.

Darüber hinaus entfällt durch die Ganzjahresreifen auch die Lagerung eines zweiten Reifensatzes. Werkstätten nehmen für diesen Service üblicherweise zwischen 30 und 50 Euro. Verfügen Sie hingegen über eine geräumige Garage oder einen Keller, können Sie die Reifen auch selbst einlagern, allerdings nehmen diese dort entsprechend Platz weg.

Nicht zuletzt entfallen die Anschaffungskosten für einen zweiten Satz Reifen. Je nach Fahrzeug und Hersteller kann die Anschaffung Ausgaben in Höhe von mehreren hundert Euro verursachen.

Übrigens! Damit Ganzjahresreifen auch bei winterlichen Witterungsverhältnissen zum Einsatz kommen dürfen, müssen diese der Winterreifenverordnung entsprechen. Ab dem 30. September 2024 ist daher das Alpine-Symbol (Schneeflocke im Berg) vorgeschrieben, die M+S-Kennzeichnung reicht somit nicht mehr aus. Ganzjahresreifen ohne Alpine-Symbol dürfen allerdings noch weiter abgefahren werden, wenn diese über die M+S-Kennzeichnung verfügen und bis zum 31. Dezember 2017 hergestellt wurden.

Welche Nachteile haben die Reifen fürs ganze Jahr?

Ganzjahresreifen machen auf Schnee nicht immer eine gute Figur.
Ganzjahresreifen machen auf Schnee nicht immer eine gute Figur.

Da es sich bei Ganzjahresreifen um einen Kompromiss handelt, sind Materialmischung und Profil nicht optimal auf eine Jahreszeit abgestimmt. Dies führt etwa dazu, dass Ganzjahresreifen im Winter Einbußen beim Bremsweg und der Haftung verzeichnen. Zudem weisen Ganzjahresreifen auf Schnee und Eis ein schlechteres Fahr- und Kurvenverhalten als Winterreifen auf.

Im Sommer müssen Fahrer ebenfalls mit einem längeren Bremsweg sowie einem höheren Kraftstoffverbrauch rechnen. Mitunter kann bei Ganzjahresreifen auch die Haltbarkeit leiden. So führen höhere Temperaturen unter Umständen zu einem höheren Abrieb und somit Verschleiß. Was am Ende auch bedeuten kann, dass bei Ganzjahresreifen die Lebensdauer kürzer ausfällt.

Wichtig! Auch bei Ganzjahresreifen muss die Profiltiefe gemäß § 36 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) mindestens 1,6 mm betragen. Ein Verstoß gegen die gesetzlich definierte Mindestprofiltiefe stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und zieht mindestens ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro sowie einen Punkt in Flensburg nach sich. Experten raten allerdings bereits ab einer Profiltiefe zwischen 3 und 4 mm zum Austausch der Reifen.

Wann Sie darüber hinaus noch mit Sanktionen rechnen müssen, verrät die nachfolgende Bußgeldtabelle zu den Ganzjahresreifen:

VerstoßBußgeldPunkte
Kfz mit mangelhaften Reifen geführt und dadurch die Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt
90 €1
… als Halter135 €1
Inbetriebnahme eines Kfz trotz mangelhafter Reifen angeordnet / zugelassen
75 €
Inbetriebnahme eines Kfz mit Reifen ohne vorschriftsmäßige Profilrillen oder Einschnitte angeordnet / zugelassen
75 €
Inbetriebnahme eines Kfz ohne Reifen für winterliche Wetterverhältnisse angeordnet / zugelassen
75 €1
Kfz mit Reifen ohne vorschriftsmäßige Profilrillen oder Einschnitte geführt
60 €1
… mit Gefährdung
75 €1
… mit Unfallfolge
90 € 1
Kfz mit Reifen ohne vorschriftsmäßige Profilrillen oder Einschnitte als Halter geführt
75 €1
… mit Gefährdung
90 €1
… mit Unfallfolge110 €

Für wen eigenen sich Ganzjahresreifen?

Ob Ganzjahresreifen sinnvoll sind, hängt vor allem von der Nutzung des Fahrzeugs ab.
Ob Ganzjahresreifen sinnvoll sind, hängt vor allem von der Nutzung des Fahrzeugs ab.

Um herauszufinden, ob sich Ganzjahresreifen für einen persönlich lohnen, gilt es die Vor- und Nachteile mit Blick auf die eigenen Bedürfnisse und Ansprüche zu bewerten. So bieten sich solche Reifen grundsätzlich vor allem für Autobesitzer an, die hauptsächlich in der Stadt unterwegs sind und bei einem extremen Wintereinbruch ggf. auch aufs Kfz verzichten können. Durchaus sinnvoll kann der Wechsel auf Ganzjahresreifen zudem sein, wenn die Fahrten vor allem in schneearmen, flachen Gebieten erfolgen und vor allem kurze Fahrtstrecken zurückgelegt werden.

Im Gegensatz dazu sollten Sie bei regelmäßigen Fahrten durch Gebirgsregionen weiterhin den Wechsel zwischen Winter- und Sommerreifen vollziehen. Auch bei langen Fahrtstrecken oder in Gegenden mit starken Temperaturunterschieden sind Ganzjahresreifen nicht die beste Wahl.

Quellen und weiterführende Links

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