Illegale Autorennen – Ursprung, Gefahren und Strafen

Die Kultur der Autorennen hat sich von den USA auch in Europa ausgebreitet. Oft genug wird eine solche Wettfahrt weder angemeldet noch genügend abgesichert, was zu furchtbaren Konsequenzen für die Teilnehmer und auch Unbeteiligte führen kann: Immer wieder beweisen schwere bis tödliche Unfälle bei illegalen Autowettrennen, in welch große Gefahr die Allgemeinheit dabei gerät.

Bußgeldkatalog für illegale Autorennen

TatbestandPunkte in Flens­burgStrafe
Veran­staltung eines bzw. Teil­nahme an einem illegalen Auto­rennen3Haft­strafe bis zu 2 Jahren oder Geld­strafe sowie Entzug der Fahrer­laubnis
... mit Gefähr­dung3Haftstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe sowie Entzug der Fahrerlaubnis
... mit Personen­schaden3Haft­strafe zwischen 5 Monaten und 10 Jahren sowie Entzug der Fahrer­laubnis

Geschichte der (illegalen) Autorennen

Illegale Autorennen sind keine Seltenheit, fordern jedoch immer wieder Todesopfer.

Illegale Autorennen sind keine Seltenheit, fordern jedoch immer wieder Todesopfer.

Die Praktik, Autos zu frisieren und damit Rennen zu fahren, breitete sich von den USA nach Europa aus.

Die Praktik, Autos zu frisieren und damit Rennen zu fahren, breitete sich von den USA nach Europa aus.

Ursprung der Streetracing-Szene ist vermutlich ein Rennfahrer namens Erwin George „Canonball“ Baker, der in seinem Leben mehrere Geschwindigkeitsrekorde auf der Straße aufstellte. Bspw. fuhr er 1914 in elf Tagen mit dem Motorrad von der West- an die Ostküste, was ihm von der New Yorker Presse den Spitznamen „Canonball“ (dt.: Kanonenkugel einbrachte). Darauf geht auch die Bezeichnung „Cannonball-Rennen“ zurück, die quasi ein Synonym für illegale Autorennen ist, welche quer durch die USA verlaufen.

In den folgenden Jahren wurde es bei den Jugendlichen in US-Amerika zur Mode, ihre Autos zu frisieren und damit illegale Rennen zu fahren. Zwar wurden diese dann vermehrt legalisiert und auf dafür passende Strecken fernab der Zivilisation gefahren. Illegale Autorennen waren damit dennoch nicht ausgestorben.

In den 1990ern erfuhr diese Praktik einen neuen Aufschwung in seiner Bekanntheit und breitete sich auch in Europa aus. Hier ist vor allem das in Schweden erfundene Speedrunning beliebt, bei dem die Teilnehmer so schnell wie möglich von einem bestimmten Ort zum anderen gelangen müssen.

In den letzten Jahren erfuhren illegale Autorennen stetig zweifelhafter Berühmtheit, da sie immer wieder Unbeteiligte stark verletzten oder gar töteten.

Gefährliches Hobby – Illegale Straßenrennen und ihre Konsequenzen

Die Gefahr, dass ein illegales Autorennen im tödlichen Unfall enden kann, wurde in den letzten Jahren wiederholt bewiesen.

Die Gefahr, dass ein illegales Autorennen im tödlichen Unfall enden kann, wurde in den letzten Jahren wiederholt bewiesen.

Ein illegales Autorennen steht für die Teilnehmer sicherlich für Freiheit, Rebellion und Spaß. Dabei werden die Folgen, die damit einhergehen können, gern verdrängt. Die größte Gefahr dabei: schwere Unfälle, bei denen nicht nur Teilnehmer, sondern auch Unbeteiligte verletzt werden.

Während in den USA gewöhnlicherweise ein illegales Rennen auf abgelegenen Industriestraßen stattfindet (hier geht es meist darum, dass zwei Autos aus dem Stehen eine Viertelmeile in der höchstmöglichen Geschwindigkeit zurücklegen), ist in europäischen Ländern in Sachen illegale Autorennen das oben beschriebene Speedrunning für die Teilnehmer insbesondere in der Innenstadt reizvoll.

Zwar sind Fälle von verletzten und Unbeteiligten selten, treten aber dennoch auch in Deutschland immer wieder auf:

  • 2001 starb in Köln der Sohn des damaligen Oberbürgermeisters der Stadt, als er an einer roten Ampel wartete. Zwei aufgetunte Autos lieferten sich dort gerade ein illegales Straßenrennen, rasten auf einer Kreuzung in ein anderes Auto und schleuderten es in die an der Ampel wartenden Menschenmenge.
  • 2002 starb ein Zehnjähriger, als er von einem außer Kontrolle geratenen BMW erfasst wurde, als dieser sich gerade ein Rennen mit einem anderen Fahrer lieferte.
  • Auf der B7 bei Wuppertal gab es innerhalb von eineinhalb Jahren mehrere illegale Autorennen, die zu drei Unfällen mit Schwerverletzten führten.
  • 2016 starb ein unbeteiligter Autofahrer, als zwei Raser über den Kurfürstendamm in Berlin preschten und dabei einen Unfall verursachten.
  • Auch 2017 in Mönchengladbach forderte das illegale Autorennen in einem Unfall das Todesopfer eines Unbeteiligten. Der 28-Jährige Teilnehmer hatte die Kontrolle über das Fahrzeug verloren.

Illegale Autorennen: Welche Strafe kommt auf Teilnehmer und Veranstalter zu?

Illegale Autorennen:  Die Strafe kann bis zu zehn Jahre Gefängnis betragen.

Illegale Autorennen: Die Strafe kann bis zu zehn Jahre Gefängnis betragen.

Zunächst einmal bedürfen solche Rennfahrten grundsätzlich einer Erlaubnis.

Die Rahmenbedingungen für Veranstaltungen, die diese Erlaubnis benötigen, sind im Paragraf 29 „Übermäßige Straßennutzung“ der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) festgehalten.

Der entsprechende Paragraf definiert, wie eine übermäßige Straßennutzung aussieht und benennt dabei ausdrücklich auch Autorennen:

Veranstaltungen, für die Straßen mehr als verkehrsüblich in Anspruch genommen werden, insbesondere Kraftfahrzeugrennen, bedürfen der Erlaubnis. Das ist der Fall, wenn die Benutzung der Straße für den Verkehr wegen der Zahl oder des Verhaltens der Teilnehmenden oder der Fahrweise der beteiligten Fahrzeuge eingeschränkt wird; Kraftfahrzeuge in geschlossenem Verband nehmen die Straße stets mehr als verkehrsüblich in Anspruch. Veranstaltende haben dafür zu sorgen, dass die Verkehrsvorschriften sowie etwaige Bedingungen und Auflagen befolgt werden.

Obwohl eine Erlaubnis eingeholt werden könnte, sorgen, wie oben aufgeführt, illegale Autorennen auf öffentlichen Straßen immer wieder für schreckliche Unglücke. Aufgrund solcher Vorkommnisse kam es 2017 schließlich zu einem Durchgriff hinsichtlich der Strafe, die auf illegale Autorennen steht.

Wer illegale Straßenrennen fährt, begeht keine Ordnungswidrigkeit im Verkehrsrecht, sondern eine Straftat.

Wer illegale Straßenrennen fährt, begeht keine Ordnungswidrigkeit im Verkehrsrecht, sondern eine Straftat.

Diese ist in Paragraf 315d „Verbotene Kraftfahrzeugrennen“ des Strafgesetzbuches (StGB) festgesetzt und unterscheidet in der Härte der Strafe nicht zwischen Teilnehmer und Veranstalter. Als Teilnehmer gelten übrigens auch Beifahrer und Insassen anderer Kfz, die das Rennen unterstützen. Dabei ist grundsätzlich eine mehrjährige Freiheitsstrafe möglich, je nach Schwere des Vergehens:

  1. Erwischt die Polizei Teilnehmer oder Veranstalter von illegalen Autorennen, drohen mindestens eine Geldstrafe und womöglich sogar bis zu zwei Jahre Haft. Nach Anlage 13 der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) bekommt der Teilnehmer darüber hinaus einen Bußgeldbescheid, der drei Punkte in Flensburg verhängt.
  2. Sollte es dabei zur Gefährdung von anderen Menschen oder von fremden Sachen mit bedeutendem Wert kommen, kann die Haftstrafe bis zu fünf Jahre betragen (oder Geldstrafe).
  3. Kommt es zu einem Unfall bei der Wettfahrt, bei der Menschen verletzt oder getötet wurden, kann die Freiheitsstrafe sich auf bis zu zehn Jahren belaufen.
Zudem ist es möglich, die Fahrzeuge der Teilnehmer zu beschlagnahmen und den Beteiligten ein Fahrverbot zu erteilen. Auch der lebenslange Entzug der Fahrerlaubnis ist möglich, sollte das illegale Autorennen schwere Folgen nach sich ziehen. Zudem wird ebenfalls der Versuch bestraft (etwa, wenn ein Aufruf im Internet stattfindet).

Zahlt die Versicherung für Schäden, die bei Autorennen entstanden?

Kommt es bei einem Autorennen zum Unfall, zahlt die Versicherung meist nicht - Sicherheit gibt der Blick in den Vertrag.

Kommt es bei einem Autorennen zum Unfall, zahlt die Versicherung meist nicht – Sicherheit gibt der Blick in den Vertrag.

Kommt es bei einem Autorennen zu einem Crash ohne Personenschaden, geht es für die Betroffenen in der Regel zuerst um die Frage: „Wer kommt für die Schäden an meinem Kfz auf?“ Viele zählen dabei auf ihre Kfz-Versicherung, entweder auf die Haftpflicht des Unfallgegners oder auf die eigene Vollkasko.

Dabei muss es sich nicht einmal um illegale Autorennen drehen: Auch wer auf einer offiziellen Rennstrecke seine Runden dreht, muss sich unter Umständen mit dieser Frage beschäftigen. Dabei ist es jedoch für die Kfz-Versicherung unerheblich, ob für die Wettfahrt eine Erlaubnis vorlag oder nicht. Die Kfz-Haftpflicht schließt in der Regel Schäden durch Autorennen aus ihren Leistungen aus. Das gleiche gilt üblicherweise für die Vollkasko.

Um ganz sicher zu gehen, müssen Betroffene einen Blick in den entsprechenden Versicherungsvertrag werfen, in dem alle Leistungen und Ausschlüsse aufgelistet sind.

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