Haaranalyse: Wie sich Drogen- und Alkoholkonsum nachweisen lassen

Wird ein Fahrer dabei erwischt, dass er stark berauscht hinter dem Steuer sitzt, oder fällt er bereits zum wiederholten Male mit Alkohol oder Drogen am Steuer auf, kommt es häufig vor, dass ihm die Fahrerlaubnis entzogen wird. Erst wenn er eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) erfolgreich absolviert hat, darf er wieder am Straßenverkehr teilnehmen. Oftmals gehört auch der Nachweis der Abstinenz zu den geforderten Bedingungen. Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die Haaranalyse?

Alkohol- und Drogentest durch Haaranalyse – Unterschiede zu anderen Verfahren

Eine Haaranalyse kann den Konsum von Drogen und Medikamenten nachweisen.

Eine Haaranalyse kann den Konsum von Drogen und Medikamenten nachweisen.

Wird eine Person, die unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol steht, von der Polizei kontrolliert, wird in der Regel ein Urin- oder Bluttest durchgeführt. Hierbei kann festgestellt werden, ob derjenige vor der Fahrt Betäubungsmittel oder alkoholische Getränke konsumiert hat. Allerdings kann bei diesen Methoden immer nur ein Nachweis über die letzten Tage bis Wochen – je nachdem, um welchen Stoff es sich handelt und wie häufig dieser konsumiert wurde – erbracht werden.

Beim Urintest lässt sich beispielsweise Heroin in der Regel nur zwei bis drei Tage lang nachweisen. Welche Möglichkeit besteht aber, wenn ein Nachweis für einen längeren Zeitraum erbracht werden muss? In einem solchen Fall wird häufig auf die Haaranalyse zurückgegriffen.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Die Haaranalyse

Eine Haaranalyse wird im Labor durchgeführt.

Eine Haaranalyse wird im Labor durchgeführt.

Warum ist ein Haartest bei Alkohol oder Drogen überhaupt möglich? Konsumiert eine Person einen dieser Stoffe, ist er nicht nur im Urin oder im Blut nachzuweisen, sondern auch in den Haaren. Die Haarpapillen – hierbei handelt es sich um Bindegewebe, in welches die Haarwurzel eingebettet ist – nehmen bestimmte Stoffe auf, da diese mit den Blutgefäßen verbunden sind.

Unter der Hautoberfläche spielt sich das Wachstum der Haare ab. Zellen bündeln sich, verhornen und werden dann allmählich nach oben geschoben. Die im Haar eingelagerten Stoffe – also auch Drogen und Abbauprodukte von Alkohol – lassen sich dann nach einer Weile durch eine Haaranalyse nachweisen.

Abstinenznachweis für die MPU: Haaranalyse, um Alkohol oder Drogen nachzuweisen

Häufig wird einem Alkohol- oder Drogensünder nicht nur eine MPU auferlegt. In manchen Fällen wird diese auch an gewisse Bedingungen geknüpft. Wurde jemand mit Drogen erwischt oder gehen die Behörden davon aus, dass die Person alkoholabhängig oder ein kontrollierter Konsum nicht möglich ist, wird zusätzlich ein Abstinenznachweis verlangt. Das bedeutet, dass der Betroffene einen Nachweis darüber erbringen muss, dass er über einen gewissen Zeitraum keinen Alkohol oder keine Drogen zu sich nimmt.

Um den Nachweis über die Abstinenz zu erbringen, kann entweder eine Urin- oder eine Haaranalyse durchgeführt werden. Bei der ersten Option muss die Person in regelmäßigen Abständen Urinproben abgeben. Bei der zweiten Möglichkeit sollen etwaige Rückstände von Drogen oder Alkohol durch eine Haaranalyse gefunden werden.

In der Regel müssen Betroffene über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten abstinent bleiben. Bei einem Alkohol- bzw. Drogentest durch die Haare wird von folgendem Grundsatz ausgegangen: Jedes Haar wächst im Monat etwa einen Zentimeter. Werden also drei Zentimeter lange Haare untersucht, kann ein Nachweis darüber erbracht werden, welche Stoffe in den vergangenen drei Monaten konsumiert wurden.

Soll die Haarprobe bei einer MPU zum Nachweis einer Alkoholabstinenz dienen, werden die Haare auf Ethylglucuronid – kurz EtG genannt – getestet. Hierbei handelt es sich um ein Abbauprodukt von Ethanol. Wurde es durch Stoffwechselprozesse in die Haare eingelagert, wird es nicht weiter abgebaut. Deshalb ist EtG durch eine Haaranalyse bei der MPU nachweisbar.

Haarprobe um Alkohol/Drogen nachzuweisen: Die Vorgehensweise

Nachweis von EtG: Eine Haaranalyse zeigt, ob eine Person abstinent ist.

Nachweis von EtG: Eine Haaranalyse zeigt, ob eine Person abstinent ist.

Soll zum Nachweis von Drogen bzw. Abbauprodukten von Alkohol eine Haarprobe entnommen werden, wird hierzu in den allermeisten Fällen auf Haare vom Hinterkopf zurückgegriffen. Dabei werden in der Regel zwei Haarbündel, die etwa der Stärke eines Bleistiftes entsprechen, abgeschnitten und dann im Labor untersucht.

Soll die Haaranalyse eine Alkoholabstinenz belegen, dürfen nur Haarsegmente, die ab der Kopfhaut drei Zentimeter lang sind, untersucht werden. Bei einer sechsmonatigen Abstinenz müssen in der Regel zwei Haarproben entnommen werden, bei einem einjährigen Zeitraum sind es mindestens vier. Somit ist eine Haaranalyse alle drei Monate durchzuführen.

Soll durch die Haarprobe ein Drogentest gemacht werden, kann meist eine längere Haarsträhne von maximal sechs Zentimetern Länge ab der Kopfhaut untersucht werden. Damit kann ein Nachweis über eine Abstinenz von bis zu sechs Monaten erbracht werden. Müssen Betroffene für ein Jahr nachweisen, dass sie keine Drogen konsumiert haben, sind demnach insgesamt zwei Proben nötig.

Der große Vorteil gegenüber der Analyse von Urin besteht darin, dass Betroffene die Termine für die Haaranalyse genau im Voraus planen können. Bei einem Urintest werden sie sehr kurzfristig, meist erst einen Tag vor der Probenabgabe, informiert. Außerdem können Betroffene durch eine Haaranalyse Zeit sparen. Haben sie nämlich in den vergangenen Monaten keine Drogen bzw. keinen Alkohol zu sich genommen, können sie dies für den zurückliegenden Zeitraum nachweisen.

In der Regel werden beim Nachweis von Alkohol bzw. Drogen durch einen Haartest Proben vom Kopf entnommen. Was geschieht jedoch, wenn dies nicht möglich ist, weil etwa die Haare zu kurz sind oder der Betroffene eine Glatze hat? Achselhaare dürfen laut Angaben des TÜV Nord nicht verwendet werden, während andere Körperhaare in Ausnahmefällen akzeptiert werden. In der Regel wird dann jedoch auf eine Urinkontrolle anstatt einer Haaranalyse umgeschwenkt.

Was ist zu beachten, bevor ein Haartest wegen Drogen oder Alkohol durchgeführt wird?

Drogentest durch Haaranalyse: Auch wenn Sie dem Rauch von Cannabis ausgesetzt sind, kann dies die Ergebnisse verfälschen.

Drogentest durch Haaranalyse: Auch wenn Sie dem Rauch von Cannabis ausgesetzt sind, kann dies die Ergebnisse verfälschen.

Steht im Rahmen einer MPU ein Abstinenznachweis durch eine Haaranalyse an, sollten Sie im Vorhinein einige Ratschläge befolgen:

  • Das Haar darf nicht gefärbt bzw. coloriert sein. Eine Ausnahme besteht beim Drogentest. Hier darf die erste Probe von coloriertem Haar entnommen werden, wenn das Haar beim nächsten Termin unbehandelt ist bzw. wenn danach dann Urinkontrollen durchgeführt werden.
  • Sie sollten beim Nachweis von Drogen auf mohnhaltige Speisen verzichten.
  • Halten Sie sich lange im Rauch von Cannabis oder Kokain auf, können die Ergebnisse verfälscht werden, auch wenn Sie die Droge nicht konsumieren.
  • Nehmen Sie Hustensäfte ein, die Codein enthalten, könnte die Haaranalyse positiv auf Opiate sein.
  • Bei einem Nachweis von Alkohol sollten Sie beachten, dass auch Getränke, die als alkoholfrei gekennzeichnet sind, etwas Ethanol enthalten.
  • Verzichten Sie auf alkoholhaltiges Mundwasser sowie Medikamente auf Alkoholbasis.

Haaranalyse – Welche Kosten kommen bei einer MPU auf Sie zu?

Eine Haaranalyse bei Alkohol/Drogen bringt Kosten mit sich. Diese sind zu den Ausgaben für die MPU hinzuzurechnen. Viele Betroffene fragen sich deshalb, wie teuer eine solche Analyse ist. Ein pauschaler Wert kann hierbei nicht angegeben werden, da sich die Preise je nach Anbieter stark unterscheiden können. In der Regel können Sie für eine einzelne Untersuchung mit Kosten von etwa 150 bis 300 Euro rechnen, wobei der Nachweis von Drogen etwas teurer ist. Die Analyse von Urin ist zwar pro Termin günstiger, da hierbei aber mehr Proben nötig sind, ist die Haaranalyse insgesamt meist die preiswertere Lösung.

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