Drogenscreening: Infos zu Ablauf, Methoden und Kosten

Wurde die Fahrerlaubnis aufgrund von Drogen oder Alkohol am Steuer entzogen, knüpft die zuständige Behörde in der Regel gewisse Bedingungen an eine mögliche Neuerteilung. Infrage kommt hier beispielsweise eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU). Um in diesem Zuge ihre Abstinenz nachzuweisen, müssen Betroffene sich einem sogenannten Drogenscreening unterziehen.

Welche Methoden kommen beim Drogenscreening zum Einsatz?

Es kommt z. B. zu einem Drogenscreening bei der MPU, um einen Abstinenznachweis zu erbringen.

Es kommt z. B. zu einem Drogenscreening bei der MPU, um einen Abstinenznachweis zu erbringen.

Durch ein Drogenscreening kann nachgewiesen werden, ob und in welcher Menge sich Drogen im menschlichen Körper befinden. Zudem ist es möglich, zu bestimmen, um welche Art von Substanzen es sich handelt. Es bestehen allerdings gewisse Unterschiede zwischen einem Drogenscreening und einem Schnelltest, der beispielsweise während einer Verkehrskontrolle aufgrund des Verdachtes auf Drogenkonsum von der Polizei durchgeführt wird.

Zum einen finden bei einem Drogenscreening über Tage oder Monate immer wieder Untersuchungen statt und zum anderen können bei einem Schnelltest nur bestimmte Drogen nachgewiesen werden. Ein Screening ist zwar aufwendiger, aber auch um einiges genauer und kann sogar Aufschluss über den möglichen Konsum mehrerer Substanzen geben.

Daher findet ein Drogenscreening in einem Labor statt, wo der betroffenen Person Proben entnommen werden. Gewöhnlich handelt es sich dabei um Speichel, Blut, Urin oder Haare. Es haben sich mit der Zeit zwei Methoden herauskristallisiert, welche die aufschlussreichsten Ergebnisse liefern:

Ein Drogenscreening führt die Polizei nicht durch – es findet in einem Labor statt.

Ein Drogenscreening führt die Polizei nicht durch – es findet in einem Labor statt.

  1. Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC/MS)
  2. Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie (LC/MS)

Je nachdem, welches Ergebnis bei der MPU nach dem Drogenscreening herauskommt, kann dies darüber entscheiden, ob der betroffene Kraftfahrer seine Fahrerlaubnis zurückerhält oder nicht. Denn solange dieser kein positives MPU-Gutachten vorweisen kann, wird die Führerscheinstelle einer Neuerteilung wohl kaum zustimmen.

Damit Sie also etwas besser darüber Bescheid wissen, was bei einem Drogenscreening auf Sie zukommt, werden die beiden genannten Methoden im Folgenden näher beleuchtet.

Gaschromatographie- und Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie: Die Standardverfahren

Die Verfahren der Gaschromatographie- sowie Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie haben sich vor allem als Standardmethoden herausgebildet, weil sie sehr verlässliche und spezifische Ergebnisse liefern. Außerdem können dabei auch noch so niedrige Konzentrationen von Drogen im Screening ermitteln. Das Ganze funktioniert wie folgt:

  • Der Gaschromatograph ist ein Messgerät, welches das Probenmaterial in seine einzelnen Bestandteile trennt, indem er es durch Erhitzen in einen Gaszustand versetzt und mit einem Trägergas vermischt.
  • Die nun gasförmige Probe wird innerhalb des Geräts durch ein langes Röhrchen weitertransportiert, um die Moleküle zu spalten. Größere Elemente werden so von kleineren und beweglicheren Teilchen separiert.
  • Ein spezieller Sensor erfasst dann, wie viele Teilchen ihn passieren. Befinden sich Drogen in der Probe, kann dies bereits bei diesem Schritt auffallen.
  • Der Flüssigkeitschromatograph funktioniert in etwa auf die gleiche Weise. Auch er spaltet die jeweilige Probe in ihre Bestandteile. Dabei kommt jedoch kein Gasgemisch zum Einsatz, sondern eine Trägerflüssigkeit, die mit der Probe zusammen durch das Gerät transportiert wird.
  • Drogenscreening: Im Urin lassen sich beispielsweise Rückstände von Cannabis (THC) nachweisen.

    Drogenscreening: Im Urin lassen sich beispielsweise Rückstände von Cannabis (THC) nachweisen.

  • Im Anschluss wird die Probe, die bei diesem Drogenscreening meist aus Urin besteht, mit einem Massenspektrometer noch weiter zerteilt. Faktoren wie Ladung oder Gewicht der Teilchen rücken nun ebenfalls in den Mittelpunkt, um so Unterschiede ausmachen zu können.
  • Innerhalb des Geräts rauschen die Moleküle durch ein elektrisches Feld, um so die jeweilige Intensität der Ablenkung mit einem Messfühler bestimmen zu können.
Je nachdem, wie schnell sich die Moleküle fortbewegen oder welche sonstigen Reaktionen sie zeigen, lässt dies Rückschlüsse auf die konsumierten Drogen zu. Auf diese Weise können bei einem Drogenscreening beispielsweise Cannabis (THC), Amphetamine oder Ecstasy nachgewiesen werden.

Müssen beim Drogenscreening gewisse Nachweiszeiten beachtet werden?

Je nachdem, ob bei einem Drogenscreening Blut, Haare oder Urin getestet werden sollen, gelten andere Nachweiszeiten. Je nach Substanz, Menge und Häufigkeit des Konsums kann die Dauer der Nachweisbarkeit variieren. THC ist beispielsweise im Blut kürzer nachweisbar als im Urin.

Am längsten lagern sich Abbauprodukte von Drogen in der Regel in den Haaren ab. Durch eine Haaranalyse kann der Konsum auch nach bis zu sechs Monaten noch festgestellt werden.

Wie läuft ein Drogenscreening ab?

Nachdem Ihnen von der zuständigen Führerscheinbehörde mitgeteilt wurde, über welchen Zeitraum Sie einen Nachweis Ihrer Abstinenz erbringen müssen, gestaltet sich der weitere Ablauf in der Regel wie folgt:

  • Um zu verhindern, dass Sie das Drogenscreening manipulieren, werden die Termine in unregelmäßigen Abständen kurzfristig bestimmt. Meist müssen Sie binnen 36 Stunden, nachdem Ihnen der Termin mitgeteilt wurde, im entsprechenden Labor vorstellig werden.
  • So soll ausgeschlossen werden, dass Sie beispielsweise in genau dieser Zeit abstinent leben, nur damit das Drogenscreening negativ ausfällt.
  • Bei einem positiven Drogenscreening bleibt der Führerschein in sicherer Verwahrung.

    Bei einem positiven Drogenscreening bleibt der Führerschein in sicherer Verwahrung.

  • Nachdem Ihre Identität überprüft wurde, müssen Sie Ihre Probe (Urin, Haare, etc.) für den Drogentest abgeben bzw. Sie wird Ihnen unter Aufsicht des Fachpersonals entnommen.
  • Im Anschluss daran wird das gewonnene Material in drei Proben aufgesplittet. Die erste Probe wird analysiert, die zweite bleibt verschlossen und die dritte wird eingefroren.

Sollte das Ergebnis der ersten Probe im Drogen­screening positiv ausfallen, wird die zweite in der Regel ebenfalls untersucht, um bei diesem Nachweis wirklich sicherzugehen. Ist auch die zweite Probe auffällig und es konnte beim Drogenscreening beispielsweise ebenfalls Kokain nachgewiesen werden, gilt dies als offizielle Bestätigung.

Drogenscreening: Welche Kosten sind möglich?

Je nachdem, in welchem Umfang die Untersuchungen stattfinden sollen, kann dies die Kosten bei einem Drogenscreening beeinflussen. Welche Methode soll zum Einsatz kommen? In welchem Labor soll die Analyse durchgeführt werden? Was genau soll untersucht werden? All dies sind Faktoren, die den letztendlichen Betrag steigen oder sinken lassen können.

Eine pauschale Aussage kann daher nicht getroffen werden. Grob geschätzt können bei der Analyse von Urin in etwa 45 bis 180 Euro fällig werden. Ein Drogenscreening der Haare ist in der Regel teurer: Hier können zwischen 180 und 300 Euro auf Sie zukommen.
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